5 Tipps für klare und verständliche Diagramme

Diagramme verstehen ist oft harte Arbeit

Manche Diagramme sind so anschaulich und so schnell verständlich, dass bei ihrer Betrachtung das Gefühl absoluter Zufriedenheit entsteht. Zufriedenheit über eine neue Einsicht und über die Leichtigkeit mit der sie gewonnen wurde. Andere Diagramme oder Darstellungen schrecken von ihrer Betrachtung eher ab. Sie zwingen Einen den Verständnisgang zu unterbrechen, zu zweifeln, drei Mal hinzuschauen und zu fragen: Was gehört hier wohin? Was meint der Autor damit eigentlich genau? Fehlt hier nicht etwas?

Unklarheiten kosten viel Mühe

Wirklich zufrieden mit einer Erklärung ist ein Empfänger nur dann, wenn er ihr mühelos folgen kann und mit ihr alle sich ergeben Fragen beantwortet werden. Unvollständige oder unklare Darstellungen im Gegenteil verlangen dem Empfänger im Verständnisprozess besondere Mühe ab, weil sie eine kognitive Beanspruchung mit sich bringen. Sie zwingen den Empfänger dazu ggf. hohe mentale Ressourcen aufzuwenden um die dargebotenen Inhalte zu sortieren, den Fehler zu suchen oder ein alternatives korrigiertes Model zu konstruieren. Solche Darstellungen bilden ein Hindernis und verursachen damit vielleicht sogar eher ein Gefühl der Unzufriedenheit und des Unmuts. In jedem Fall kosten sie mentale Ressourcen und Zeit.

Das Ziel ist klare und geordnete Darstellung

Einfach nur schöne Diagramme zu gestalten reicht nicht aus. Jedes Diagramm oder Darstellung sollte das Ziel haben Ordnung zu schaffen und jegliche Hürden, die das mühelose und flüssige Verständnis verhindern zu meiden. Diese Tatsache erkannte schon Steve Krug, der das Buch über Web Usability mit dem sprechenden Titel „Don’t Make Me Think“ verfasste. Auch Amazon fand als größter Internet-Verkäufer schnell heraus, dass der Gewinn pro Kunde umso höher ist, je kürzer und müheloser und verständlicher der Bezahlprozess auf seiner Web-Site ist. Daraufhin führte der Konzern das 1-Click Bezahlverfahren ein.

Tipps für überzeugende Diagramme

Wie lässt sich also bei der Gestaltung von Diagrammen größere Klarheit und somit auch müheloses Verständnis herstellen? Der größte Feind von Klarheit ist das Durcheinander oder visuelles Wirrwarr – der beste Freund ist visuelle Ordnung. Im Laufe der letzten Jahre habe ich folgende Gestaltungsregeln für Diagramme für mich herausgefunden. Sie können Softwarearchitekten und -Designern dabei helfen mehr Klarheit in die Gestaltung zu bringen und fördern damit müheloses Verständnis:

  1. GROUNDING: Ein Diagramm sollte in sinnvolle inhaltliche Abschnitte gegliedert sein. Elemente die zu einem Abschnitt gehören sollen auch visuell eine gemeinsame Ausrichtung besitzen, so dass ihre inhaltliche Verwandtschaft sofort klar ist. In diesem Beispiel werden fünf gleichwertige Aktivitäten einer Maske gezeigt. Sie sollten an einer Linie ausgerichtet sein.
    Diagramme schoener gestalten Grounding BEFOREKlare Diagramme erstellen
  2. WIEDERHOLUNGEN ZUSAMMENFASSEN: Wiederholungen sind manchmal notwendig und manchmal unvermeidbar. Doch in der Regel lassen sie sich gut handhaben. Da manche Aktivitäten im Diagramm wiederholt vorkommen ist es sinnig sie zusammenzulegen. Die dadurch entstandene Einsparung bringt mehr „Luft“ und Ordnung in die Darstellung. Das Auge muss weniger Elemente erfassen und zu einander in Relation setzen. Das senkt die kognitive Beanspruchung und steigert die Lesbarkeit sowie die Verständlichkeit des Diagramms. Manchmal ist es notwendig nach der Zusammenlegung die Beschriftung der ausgehenden Pfeile anzupassen, um auf eine darauf folgende Fallunterscheidung hinzuweisen.
    Diagramme schoener gestalten Wiederholungen BEFOREDiagramme schoener gestalten Wiederholungen AFTER
  3. AUF EINHEITLICHE GRÖßEN ACHTEN: Größen und Breiten von Elementen, die kontextuell zusammen gehören sollen immer identisch sein. Dieses Gestaltungsprinzip hilft dem Auge schnell Kategorien zu finden und fördert somit die Verständnisgeschwindigkeit beim Erfassen der Darstellung. Es sorgt für visuelle Ordnung.
    Diagramme schoener gestalten einheitliche Groeßen BEFOREDiagramme schoener gestalten einheitliche Groeßen AFTER
  4. MEHR GRADLINIGKEIT, WENIGER ECKEN: Wenn möglich, sollten alle Linien – mit Pfeilspitzen oder ohne – geradlinig sein und dabei möglichst wenige Biegungen besitzen, die Ecken bilden. Im besten Fall legt man Linien zusammen. Zu viele Ecken auf kleinem Raum können labyrinthartig wirken. Damit vergrößern Ecken die visuelle Unordnung (visual clutter) und sorgen dafür, dass das Verständnis viel mehr kognitive Leistung benötigt erfordert.
    Diagramme schoener gestalten Weniger Ecken BEFOREDiagramme schoener gestalten Weniger Ecken AFTER
  5. EINHEITLICHE ABSTÄNDE EINHALTEN: Genauso wie die Ausrichtung beim Grounding sollten Abstände zwischen Elementen ihre Zusammengehörigkeit oder Unterschiedlichkeit unterstreichen. Manchmal ist es notwendig innerhalb einer Gruppe eine zusätzliche Unterscheidung, also eine weitere sinnliche Dimension einzuführen. Genau das lässt sich hervorragend mit einheitlichen Abständen bewerkstelligen. Nehmen wir an, man möchte zeigen, dass fünf Aktivitäten auf ein und derselben Maske liegen, wobei zwei davon prozessvorbereitende und drei andere – prozessauslösende Aktivitäten sind. In dem folgenden Beispielbild besitzen prozessauslösende Aktivitäten (Prozess A, Prozess A + B, Prozess B) kleinere Abstände unter einander als prozessvorbereitende Aktivitäten (Vorschau anzeigen, Alles abbrechen). Dadurch entsteht eine Hervorhebung innerhalb einer Gruppe.
    Diagramme schoener gestalten einheitliche Abstaende BEFOREKlare Diagramme erstellen

Und so kann der endgültiger Stand des Diagramms aussehen:
Diagramme schoener gestalten FINAL

Weitere Tipps zu Gestaltung von Diagrammen: Was Business Analysten beim Gestalten von Diagrammen von Apples Design lernen können

Anton

Anton

Anton ist freiberuflicher Software-Ingenieur und Projektleiter mit den Schwerpunkten: Prozessdesign, strukturierte Business Analyse / Fachkonzeption sowie fachliche Entscheidungsunterstützung.

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