[Information Design] Nie wieder „Vielen Dank für die Aufmerksamkeit“!

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit – Haben Sie noch Fragen?“ – so oder so ähnlich enden Tausende von weltweiten Präsentationen in Meetings, Workshops und Produktvorstellungen. Diese Floskel steht meist am Ende einer Präsentation, die immer nach der gleichen Struktur abläuft: Willkommen-Seite, Agenda, Inhalt und der „Vielen Dank“-Teil. Dieser „Vielen Dank“-Teil füllt meist die Leere hinter dem Inhaltspart. Denn nach dem alles gesagt ist, muss dem Zuhörer vermittelt werden, dass jetzt das Ende der Inhalte erreicht ist und der Vortrag in den Modus „Nachdenken und Fragen stellen“ umgeleitet werden soll. Nicht selten folgen dann Fragen, denen gerne der Satz „Könnten Sie mal bitte zurückspringen zur dieser Folie, wo Sie das Konzept XY vorstellten…“ vorangestellt wird. Der Vortragende schaltet dann mühsam sein PowerPoint in den Entwurfsmodus und sucht den entsprechenden Slide im Storyboard. Das Interessante hierbei ist aber, dass es dem Fragenden nicht einmal darauf ankommt, die richtige Folie zu sehen; er möchte einfach nur die Diskussionsrunde auf den entsprechenden Inhaltspunkt aufmerksam machen.

Überhaupt muss man sich fragen, warum der Vortragende sich für die Aufmerksamkeit bedanken muss? Im Grundsatz der Situation besitzt die Person, die den Vortrag hält einen Experten-Status. Sie hat ja ein Ergebnis erarbeitet oder eine neue Lösung ausgedacht, ohne die es diesen Vortrag gar nicht geben könnte. Zudem machte sie sich auch die Mühe den Inhalt so zu strukturieren und in eine angemessene Form zu verpacken, dass sie mit Hilfe von einfachen Schritten vermittelbar ist. Das ist ganz schön viel „Information Engineering“ – Arbeit, die sich der Vortragende gemacht hat. Sollte sich da nicht der Zuhörer beim Vortragenden bedanken?

Eine einfache Technik, die das „Endfolien“-Dilemma löst, ist das Einbauen einer „Ergebnisse zusammengefasst“-Folie oder einer „Kernaussagen“-Folie oder einer „Das haben Sie heute gelernt!“ Folie. Ein solcher Aufbau hilft gleich in vielfacher Hinsicht:

Der wichtigste, die Ergebnisse sind gebündelt auf einer Folie und stehen dem Zuhörer als vollständige Übersicht zur Verfügung. Eine solche Übersicht lässt den Zuschauer die Inhalte besser reflektieren und, was noch wichtiger ist, auch besser behalten. Der Zuhörer kann ohne Umwege den Inhalt referenzieren, denn er ist nicht mehr über etliche Folien verteilt. Da die Folie am Schluss steht, muss der Vortragende nicht mal mehr zurückspringen, um einen bestimmten Inhalt zu suchen, denn die wichtigsten Punkte sind bereits auf dem Schirm.
Ein weiterer Punkt ist, dass die auf der Endfolie dargestellten Ergebnisse sich als Key-Summary nach dem Meeting im Protokoll vermerken lassen. Mit Hilfe einer solchen Übersicht kann ein Teilnehmer, der das Meeting verpasst hat, sich sehr schnell einen Überblick über die Inhalte verschaffen, was ihm Zeit erspart und auch gleichzeitig den Wissensmanagementprozess fördert.

Vielen Dank fur die Aufmerksamkeit. Powerpoint. Schlussfolie

Lernen Sie mehr darüber, wie man überzeugende Präsentationen erstellt in meinem „Designing Information“ – Trainingskurs.

Anton

Anton

Anton ist freiberuflicher Software-Ingenieur und Projektleiter mit den Schwerpunkten: Prozessdesign, strukturierte Business Analyse / Fachkonzeption sowie fachliche Entscheidungsunterstützung.

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  1. Präsentation 2.0 - es muss nicht immer PowerPoint sein - markgoldenstein.com - 4. Februar 2013

    […] einige Gewohnheiten durchgesetzt, die von sehr zweifelhaftem Nutzwert sind, wie beispielsweise die vielfach gefürchtete “Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit”-Schlussfolie. Zugleich wird die bestehende Präsentationsstruktur jedoch nur äußerst selten hinterfragt, oft […]

  2. Präsentation 2.0 - es muss nicht immer PowerPoint sein - Mark Goldenstein - 7. Februar 2014

    […] einige Gewohnheiten durchgesetzt, die von sehr zweifelhaftem Nutzwert sind, wie beispielsweise die vielfach gefürchtete “Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit”-Schlussfolie. Zugleich wird die bestehende Präsentationsstruktur jedoch nur äußerst selten hinterfragt, oft […]