Was Projekte brauchen ist kein Anforderungsmanager; Sie brauchen ein Kommunikationstalent

Wenn ich mir einschlägige Literatur im Handel zum Thema Requirements Engineering anschaue, fällt mir auf, dass die meisten Ratgeber (auch die Top-Seller) eher den Hauptfokus auf den Part der Anforderungsdokumentation legen als auf das „Engineering“ also auf Methoden strukturierter Lösungsfindung und erfolgreicher Kommunikation. Da liest man gern erklärt, wie Anforderungen im Wasserfallmodel eingebettet sind oder wie gut Agiles Anforderungsmangegement funktioniert. Auch sehr beliebt in diesem Zusammenhang ist es UML oder BPMN als Werkzeug für alle Anforderungsprobleme vorzustellen. Meiner Meinung nach verfehlt es den Kernpunkt des Themas Requirements Engineering deutlich!

Was bei wenigen Werken im Fokus steht, ist die Ausrichtung auf das Engineering und Kommunikation. Wobei „Engineering“ hier als strukturierte, meist funktionsbereichsübergreifende Lösungsfindung, also Schaffung von Semantik, im Team zu verstehen ist. Funktionsübergreifend deshalb, weil Projekte in heutigen prozessorientierten Großunternehmen selten für sich allein auf einer fachlichen Insel oder prozessualen Grünwiese stattfinden: sie binden immer unterschiedlichste Funktionen des Unternehmens ein. Eine Situation, bei der Kollegen aus Marketing, Vertrieb, Management, Controlling und IT plaudernd an einem Tisch sitzen können. Für die Lösungsfindung in einem solchen Umfeld spielt die Fähigkeit eine strukturell (semantisch) korrekte Lösung zu finden und sie erfolgreich zu Kommunizieren eine VIEL größere Rolle als die präziese Anwendung von gelernten UML-Symboliken oder Projektmanagementmodellen, welche den funktionsübergreifenden Austausch von Ideen sogar behindert. Denn UML ist kein Werkzeug zur schaffung korrekter Strukturierung wie z.B. MECE; es ist ein Dokumentationswerkzeug. UML stellt zusätzliche Komplexität an einer stelle vor, an der sie überflüssig ist. Denn zu einem Zeitpunkt, an dem semantische Komplexität behandelt und gelöst werden muss, bringt UML durch spezifische Symbolik, syntaktische Komplexität mit, die den Kommunikationsfluss stocken lässt. Das kommt daher, dass sie für nicht Eingeweihte zu umständlich ist, zu hohe Genauigkeit fordert und von non-IT Teilnehmern damit nicht sofort verstanden wird [siehe mein Post zu UML]. Das führt zu Verständnisverlust, fehlender Motivation und Lösungen die ihre Ziele verfehlen. UML wird genau genommen erst dann gebraucht, wenn eine korrekte und abgestimmte Lösung schon feststeht und nur noch mit hinreichender Präzision dokumentiert werden muss.

Die Beste Ressourse für ein Anforderungsprojekt ist kein zertifizierter Anforderungsmanager, sondern jemand, der die Fähigkeit besitzt Komplexität zu strukturieren und der diese Strukturen mit einfachsten Mitteln kommunizieren kann. In diesem Sinne brauchen Sie keinen Anforderungsmanager sondern ein Kommunikationstalent.

Anton

Anton

Anton ist freiberuflicher Software-Ingenieur und Projektleiter mit den Schwerpunkten: Prozessdesign, strukturierte Business Analyse / Fachkonzeption sowie fachliche Entscheidungsunterstützung.

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